Linearverbau schützt Baufeld vor Überflutung

terra infrastructure GmbH

Linearverbau schützt Baufeld vor Überflutung

30. Juli 2026

Linearverbau schützt Baufeld vor Überflutung

Wiederaufbau des Deckwerks am Deich in Presen/Fehmarn

Nach den massiven Schäden infolge der Ostseesturmflut im Oktober 2023 wurde der Landesschutzdeich im Bereich Presen auf der Insel Fehmarn 2024 umfassend instandgesetzt. Im Zentrum der Maßnahmen stand der Wiederaufbau des stark beschädigten Deckwerks auf einer Länge von rund 470 Metern.

Die Bauarbeiten, die Teil eines landesweiten Programms zur Wiederherstellung und Stärkung der Küstenschutzanlagen in Schleswig-Holstein waren, wurden durch temporär eingebaute Verbauelemente gegen das Meerwasser geschützt. Die von der STRABAG AG, Bereich Schleswig-Holstein Ost, in die Brandungszone gerammten Träger und Platten des E+S-Linearverbaus von terra infrastructure bildeten dabei eine provisorische Barriere, die das Arbeitsfeld meerwasserfrei hielt und so die Instandsetzung des Deckwerks überhaupt erst ermöglichte.

Starke Beschädigungen

Die Sturmflut hatte insbesondere die seeseitige Böschung des Deiches erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Das vorhandene Asphaltdeckwerk wurde großflächig beschädigt, teilweise unterspült und in seiner Tragfähigkeit beeinträchtigt. Infolgedessen war die Schutzfunktion des Deiches stark beeinträchtigt. Ziel der vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH), Husum, beauftragten Maßnahme war daher die schnelle und nachhaltige Wiederherstellung der Sturmflutsicherheit unter Berücksichtigung aktueller technischer Standards.

„Im Zuge der Bauarbeiten wurde das geschädigte Deckwerk vollständig zurückgebaut“, sagt Dipl.-Ing. (FH) Björn Güttler, Oberbauleiter, Gruppe Ostholstein, Direktion Nord, STRABAG AG, Bereich Schleswig-Holstein Ost. „Anschließend erfolgte der Neuaufbau einer leistungsfähigen Deckwerkskonstruktion, die den heutigen Anforderungen an den Küstenschutz entspricht. Parallel dazu wurde die Stabilität der Außenböschung verbessert, um zukünftigen Belastungen durch Wellenschlag und erhöhte Wasserstände standzuhalten. Ergänzende Arbeiten umfassten die Wiederherstellung von Betriebswegen sowie die Anpassung angrenzender Infrastrukturen.“

Enorme Materialbewegungen

Die Mengen an Material, die bei dem Projekt entfernt bzw. wieder eingebaut wurden, sind außergewöhnlich. „Rund 4.800 Quadratmeter des vorhandenen Asphaltdeckwerks wurden entfernt und ca. 6.000 Kubikmeter Boden sowie wiederverwendungsfähiger Überschussboden (WÜS) geladen und abgefahren“, so Güttler weiter. „Angeliefert und eingebaut wurden neben 4.500 Tonnen Sand, Frostschutz- und Tragschicht 6.500 Tonnen Wasserbausteine, die beim Verlegen auf rund 4.800 Quadratmetern verklammert wurden. Hinzu kamen 470 Meter Winkelstützen zur Deichfuß-Sicherung und 950 Meter Keilfalzplatten zur Einfassung der Wellenüberschlagssicherung (Geh- und Radweg). Abschließend wurden 2.400 Quadratmeter Asphaltfläche einschließlich Unterbau hergestellt.“

Linearverbau sorgt für trockenes Baufeld

Um das Baufeld vor der Überspülung durch das Meerwasser zu schützen, setzte das ausführende Unternehmen auf einer Länge von 470 Metern ein Verbausystem als temporären Küstenschutz ein. Verwendet wurden hierfür Träger und Platten des seit Jahrzehnten erfolgreich bei Tiefbauarbeiten zur Sicherung von Baugruben eingesetzten E+S-Linearverbausystems von terra infrastructure. „Hierbei handelt es sich um ein patentiertes Gleitschienen-System, bei dem Verbauplatten und Träger bei der Sicherung herkömmlicher Baugruben durch sogenannte Laufwagen geführt werden und dabei immer parallel beziehungsweise linear zueinanderstehen“, erklärt Christian Grunert, Vertriebsaußendienstmitarbeiter terra infrastructure GmbH. „In der Anwendung punktet das System mit einer flexiblen Handhabung und relativ geringem Personal- und Maschinenaufwand.“

Das hat auch beim Wiederaufbau des Deckwerks am Deich vor Presen für sichere und schnelle Abläufe gesorgt. Träger und Platten wurden mit dem Radlader zur Einbaustelle in der Brandungszone transportiert und vom Bagger in den Seegrund gerammt. Die Träger hatten laut Aussage von Bauleiter Güttler eine Baulänge von 4,5 Metern. Die Modullänge einer Verbauwand betrug 3,28 Meter. Bei dieser Konstruktion wurden die seeseitigen Wasserstände von -0,50 m Normalnull (NN) bis ca. 1,70 m über NN berücksichtigt. „Darüber hinaus hatten wir linksseitig bzw. landseitig vor den Platten ein Sandwiderlager mit einer Höhe von ≥ 1,5 Meter und einer Länge von ≥ 1,8 Meter aufzuschütten“, so Güttler.

Für die nächste Sturmflut gerüstet

Die Umsetzung stellte hohe Anforderungen an Planung und Bauausführung. Insbesondere der enge Zeitrahmen erforderte eine effiziente Koordination aller Projektbeteiligten. Ziel war es, die wesentlichen Arbeiten vor Beginn der nächsten Sturmflutsaison abzuschließen. Dies konnte erfolgreich realisiert werden: Bereits im Laufe des Jahres 2024 wurden die zentralen Bauleistungen fertiggestellt. Die sanierten Deichabschnitte vor Presen sind nun wieder standsicher, funktionsfähig, an aktuelle Anforderungen angepasst und für die nächste Sturmflut gerüstet. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Siedlungsräumen, Infrastruktur und landwirtschaftlichen Flächen auf der Insel Fehmarn. Darüber hinaus verdeutlicht das Projekt die zunehmende Bedeutung eines resilienten Küstenschutzes im Kontext klimabedingter Veränderungen. Häufigere und intensivere Sturmereignisse stellen die bestehende Infrastruktur vor wachsende Herausforderungen. Entsprechend gewinnen Maßnahmen zur Instandsetzung und Anpassung bestehender Anlagen an Bedeutung. Der Wiederaufbau des Deckwerks in Presen ist ein Beispiel für die konsequente Umsetzung dieser Strategie.

Die Arbeiten wurden durch den Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein koordiniert. Die Gesamtkosten für die Instandsetzung der betroffenen Deichabschnitte beliefen sich auf rund 2,2 Millionen Euro.

 

Ansprechpartner:
Christian Grunert
Vertriebsaußendienstmitarbeiter
terra infrastructure GmbH
M: +49 172 2539128
christian.grunert@terra-infrastructure.com