20 Apr. 2026
Linearverbau trifft RSS-Flüssigboden
Linearverbau trifft RSS-Flüssigboden
Innovative Baugrubensicherung bei Neubau eines Pumpwerks in Germering
Wie effizient und wirtschaftlich eine Kombination aus RSS-Flüssigbodenverfahren und E&S-Linearverbau die Baugrube mit anspruchsvollen geotechnischen Rahmenbedingungen sichern kann, zeigte sich bei der Erneuerung des Abwasserpumpwerks an der Breslauer Straße in Germering.
Mit der Erneuerung des Abwasserpumpwerks an der Breslauer Straße hat der Amperverband, Zweckverband für Abwasserentsorgung in Olching, ein anspruchsvolles Tiefbauprojekt unter Einsatz eines in der Region erstmals angewendeten Bauverfahrens umgesetzt. Zwischen Juli und Oktober 2025 entstand eine neue, leistungsfähige Anlage, bei deren Erstellung die Bau GmbH Herrischried, Wehr, auf eine innovative Baugrubensicherung aus RSS-Flüssigboden und E&S-Linearverbau von terra infrastructure setzte. Aufgrund dieser idealen Kombination ließ sich die komplexe Baugrube ohne Grundwasserabsenkung durchführen. Zudem konnte der Bauherr technische und ökologische Vorteile aber auch Kostenersparnisse realisieren.
Anspruchsvolle Randbedingungen im innerstädtischen Raum
Bei dem anspruchsvollen Projekt stand nicht nur die funktionale Erneuerung der Infrastruktur, sondern auch die Wahl einer wirtschaftlichen und ressourcenschonenden Bauweise im Fokus. Die zentrale Herausforderung lag in der Herstellung einer rund 7 bis 9 Meter tiefen Baugrube. Ursächlich hierfür waren tief liegende Zuläufe sowie ein hoher Grundwasserstand von etwa 3 Meter unter Geländeoberkante (GOK). „Konventionelle Bauweisen hätten hier umfangreiche Wasserhaltungsmaßnahmen oder massive Verbaulösungen wie das Einrammen von Spundwänden erfordert“, erklärt Geschäftsführer Jürgen Eckert, Bau GmbH Herrischried. „Diese wären nicht nur kostenintensiv gewesen, sondern hätten auch erhebliche Auswirkungen auf Baugrund, Umwelt, Gebäude und Anwohner gehabt – insbesondere durch Lärm, Erschütterungen sowie erhöhtes Verkehrsaufkommen.“
Flüssigboden statt klassischer Wasserhaltung
Der Amperverband entschied sich daher bewusst für das RSS-Flüssigbodenverfahren. Dabei wird der anstehende Boden vor Ort ausgehoben, aufbereitet und mit Zusatzstoffen zu einem pump- und fließfähigen, selbstverdichtenden Baustoff konditioniert. Dieser wird im Anschluss wieder eingebracht und bildet nach der Rückverfestigung eine dichte, tragfähige und wasserundurchlässige Struktur. „Eine klassische Grundwasserabsenkung ist hierbei nicht erforderlich – die Baugrube bleibt durch den RSS-Flüssigboden stabil und trocken herstellbar“, so Eckert weiter.
Kombination aus Flüssigboden und Linearverbau
Im Zuge der Herstellung eines tiefreichenden Leitungs- und Schachtbauwerks wurde ein abschnittsweises Bauverfahren unter Einsatz von Verbauboxen und Flüssigboden angewendet. Zunächst erfolgte je Verbaueinheit das Ausheben und Entfernen des vorhandenen Asphaltaufbaus einschließlich des Straßenunterbaus. „Anschließend wurden die Verbauelemente – Linearverbauträger, Grundplatten und Aufsatzplatten – gesetzt und der Aushub sukzessive fortgeführt“, beschreibt Jürgen Klausmann, Vertriebsaußendienstmit-arbeiter terra infrastructure GmbH, den weiteren Ablauf. Zur Sicherung der Baugrube kamen vorder- und rückseitig Querschotte mit Abmessungen von 3 × 3 Metern zum Einsatz. Die Baugrube wurde zunächst bis zu einer Tiefe von etwa 3,5 Metern hergestellt, wobei Verbauelemente und Querschotte kontinuierlich abgesenkt wurden. Nachfolgend wurde für den späteren Rückbau ein Aufsatz auf die oberen Verbauplatten montiert und fixiert sowie die oberen Bereiche der Querschotte ergänzt. Der weitere Aushub erfolgte bis ca. 8 Meter Tiefe unter fortlaufendem Nachsetzen der Sicherungselemente. „Wichtig dabei war der Umstand, dass nur äußere Verbauplatten eingebaut wurden, die alle in einer Schiene geführt wurden“, so Klausmann weiter. „Die so entstandene glatte Verbauwand schuf die Basis für den späteren Rückbau und das Ziehen der Platten.“
Bis 8 Meter unter GOK
Mit Erreichen des Grundwasserniveaus erfolgte der Aushub und Einbau des Verbaus vollständig unter Wasser; ebenso wurde unter Wasserstand im Kontraktorverfahren wieder mit RSS-Flüssigboden verfüllt. Im noch flüssigen Zustand konnten die statisch erforderlichen T-Träger positionsgenau eingebracht und gegen Verschiebungen gesichert werden. Im weiteren Bauablauf wurde der Graben abschnittsweise mit RSS-Flüssigboden verfüllt, während die Verbaueinheiten kontrolliert gezogen wurden. Parallel hierzu begann bereits die Herstellung des nächsten Bauabschnitts. Nach vollständiger Verfüllung bis zur Unterkante des Straßenaufbaus wurden Verbau und hintere Querschotte rückgebaut, während das mittlere Querschott bis zur Fertigstellung des Folgeabschnitts im Einsatz blieb.
Die Herstellung der Flüssigbodenblöcke in den anschließenden Abschnitten erfolgte analog. In den flacheren Bereichen wurde die Verbautechnik angepasst, indem Rahmenwagen und Querschotte bis zur bestehenden Rohrleitung abgesenkt wurden. Der Aushub unterhalb der Leitung erfolgte mittels Rototilt-Technik. Nach Teilverfüllung wurden erneut T-Träger eingebracht und die Baugrube vollständig verfüllt. Nach ausreichender Rückverfestigung des Flüssigbodens konnte die trockene Schachtgrube hergestellt, der Bestandskanal zurückgebaut sowie neue Schächte und Leitungen eingebunden werden. Abschließend erfolgten die vollständige Verfüllung, der Rückbau der T-Träger sowie die Wiederherstellung der Straßenoberfläche.
Wirtschaftliche und ökologische Vorteile
Das Projekt zeigt exemplarisch die Leistungsfähigkeit des RSS-Flüssigbodenverfahrens im kommunalen Tiefbau – in diesem Fall in Kombination mit einem flexiblen temporären Verbau. Besonders hervorzuheben ist der Verzicht auf eine Grundwasserabsenkung, da so die damit verbundenen Nachsetzungen im Umgebungsbereich durch Feinteilaustragungen vermieden werden. Zudem konnte auf den Einbau von Spundwänden verzichtet und das Aushubmaterial einer Wiederverwertung zugeführt werden. Das sorgte für deutlich geringere Transport- und Entsorgungskosten. Ebenfalls erwähnenswert sind deutlich reduzierte Emissionen und eine geringere Verkehrsbelastung sowie im Vergleich zu konventionellen Verfahren deutlich reduzierte Baukosten. Ebenso wurde der CO2-Ausstoß um mindestens 80 % reduziert.
Mit dem erfolgreichen Einsatz des RSS-Flüssigbodenverfahrens setzte der Amperverband damit ein klares Zeichen für innovative und nachhaltige Bauweisen. Insbesondere in innerstädtischen Lagen mit beengten Platzverhältnissen und hohem Grundwasserstand bietet das Verfahren erhebliche Vorteile.
Ansprechpartner:
Jürgen Klausmann
Vertriebsaußendienstmitarbeiter
terra infrastructure GmbH
M: +49 173 5160010
juergen.klausmann@terra-infrastructure.com
www.terra-infrastructure.com




