Reparatur als fester Bestandteil des Werterhalts

Deutscher Schlauchlinertag und Deutscher Reparaturtag

Reparatur als fester Bestandteil des Werterhalts

27. Juli 2026

Reparatur als fester Bestandteil des Werterhalts

Deutscher Reparaturtag in Kassel zeigt praxiskonforme Lösungen für die Kanalsanierung

Wie lassen sich Kanäle zugleich langfristig und wirtschaftlich instandsetzen? Der 15. Deutsche Reparaturtag am 9. September in Kassel zeigt anhand praxisnaher Erfahrungsberichte, wie gezielte Reparaturen die Nutzungsdauer vorhandener Netze verlängern und zugleich dazu beitragen können, begrenzte Investitionsmittel wirksam einzusetzen. Im Mittelpunkt stehen bewährte Verfahren, schadensorientierte Entscheidungen und die Reparatur als fester Bestandteil einer strategischen Instandhaltungsplanung. Wie sich dieser Ansatz über viele Jahre bewährt, zeigt das Beispiel von hanseWasser Bremen, wo Reparaturen seit langem fest in die Erhaltungsstrategie eingebunden sind.

Kanalsanierungen stehen heute in einem Spannungsfeld aus technischen Anforderungen, investivem Druck und personellen Engpässen. Umso wichtiger ist es, geplante Sanierungsmaßnahmen im Vorfeld auf ihre individuelle Sinnhaftigkeit zu prüfen. Nicht immer ist eine Renovierung oder gar Erneuerung erforderlich. Abhängig vom Schadensbild haben sich Reparaturmaßnahmen als betrieblich sinnvolle Alternative etabliert, um mit punktuellen Eingriffen die Funktionsfähigkeit des Kanalnetzes langfristig zu erhalten. Auf dem 15. Deutschen Reparaturtag am 9. September in Kassel präsentieren Fachleute bewährte Verfahren und geben Einblicke in ihre Reparaturstrategien. Für das Fachpublikum bietet der etablierte Branchentreff damit weit mehr als einen Überblick über verfügbare Verfahren. Vielmehr stehen konkrete Anwendungsbeispiele und Entscheidungsprozesse sowie der Austausch über praktische Erfahrungen im Vordergrund. Ziel ist es, Teilnehmern Impulse für die eigene Sanierungspraxis zu geben und sich mit Kollegen über Herausforderungen und bewährte Lösungsansätze auszutauschen.

Langfristige Erhaltungsstrategie

Einen besonders praxisnahen Einblick liefert Florian Frambach vom Bereich Sanierungsplanung und -steuerung bei der hanseWasser Bremen GmbH. Das Abwasserunternehmen betreibt als Partner der Freien Hansestadt Bremen mit rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das 2.300 Kilometer lange Bremer Kanalnetz. Da hanseWasser selbst nicht Eigentümer des Netzes ist, wurde mit der Stadt ein Leistungsvertrag geschlossen, der in den Betreiberpflichten unter anderem auch festhält, welche Arten von Schäden in welcher Ausprägung mit welchen Fristen saniert werden müssen. Mit seinem Vortrag „Die Reparaturstrategie in Bremen – ein Erfolgsmodell“ zeigt Frambach auf, wie hanseWasser Reparaturmaßnahmen dabei systematisch in die langfristige Erhaltungsstrategie integriert und damit die vorhandene Infrastruktur – nicht zuletzt auch mit Blick auf monetäre Aspekte – funktionstüchtig hält. „Für hanseWasser haben Reparaturen einen hohen Stellenwert, weil sie ein wesentlicher Bestandteil einer nachhaltigen und wirtschaftlichen Kanalnetzbewirtschaftung sind“, erklärt Frambach. „Unser Ziel ist der langfristige Erhalt eines leistungsfähigen Kanalnetzes sowie der zielgerichtete Einsatz der verfügbaren Investitionsmittel dort, wo sie den größten Nutzen erzielen. Reparaturen ermöglichen es, Schäden gezielt und frühzeitig mit vergleichsweise geringem Material- und Ressourceneinsatz zu beheben, bevor daraus weitreichendere Schäden entstehen. Dadurch kann die Nutzungsdauer von Kanälen verlängert und der Bedarf für aufwendigere Maßnahmen häufig hinausgezögert werden“, so Frambach weiter.

Zustandserfassung des gesamten Kanalnetzes

Grundlage dieser Strategie ist eine kontinuierliche und vollständige Kenntnis des Netzzustands. Damit jederzeit eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Sanierungsmaßnahmen vorliegt, wird das Netz in einem regelmäßigen Turnus untersucht.

„Jedes Jahr inspizieren wir größtenteils mit Kameratechnik rund 10 Prozent des Kanalnetzes. So liegt uns alle zehn Jahre eine vollständige Zustandserfassung des gesamten Netzes vor“, erläutert Frambach. „Alle erfassten Daten werden in unser Kanalinformationssystem überführt und anschließend hinsichtlich ihrer Sanierungsrelevanz bewertet. Durch den Einsatz des Kanalinformationssystems sind wir in der Lage, jederzeit für jede einzelne Haltung Aussagen darüber zu treffen, wann sie zuletzt inspiziert wurde und welche Befunde zum Zeitpunkt der Inspektion vorlagen.“

Auf Basis dieser systematischen Zustandserfassung erfolgt die Auswahl der geeigneten Sanierungsmaßnahme. Frambach: „Reparaturen erweitern den Handlungsspielraum der Sanierungsstrategie erheblich und ermöglichen eine differenzierte, bedarfsgerechte Netzerhaltung. Für uns ist die Reparatur somit keine Notlösung oder ‚Sanierung zweiter Klasse‘, sondern ein strategisches Instrument innerhalb einer ganzheitlichen Netzbewirtschaftung. Unser Ziel ist es, die Nutzungsdauer der vorhandenen Infrastruktur durch gezielte Maßnahmen zu verlängern und die verfügbaren Investitionsmittel möglichst effizient einzusetzen.“

Wo immer es sinnvoll ist, setzt man demzufolge bei hanseWasser auf ressourcenschonende Reparatur statt auf Renovierung oder Erneuerung. Die bedarfsgerechte Einschätzung schafft Kapazitäten an anderer Stelle: „Statt funktionstüchtige Kanalabschnitte vorsorglich umfassend zu renovieren oder zu erneuern, konzentrieren wir uns auf die Bereiche, in denen tatsächlich Handlungsbedarf besteht“, so Frambach.

Er ist für den Bereich Sanierungsplanung und -steuerung zuständig und kümmert sich um die Bedarfsplanung des Kanalnetzes, während sich das Team vom Instandsetzungsmanagement um die Ausführung der beauftragten Instandsetzungsmaßnahmen kümmert.

Standsicherheit, Dichtheit und Betriebssicherheit im Fokus

Im Durchschnitt ist das Bremer Kanalnetz rund 50 Jahre alt. Historisch bedingt sind im Regenwasserbereich vorwiegend Betonrohre und im Misch- und Schmutzwasserbereich Steinzeugrohre verbaut worden. Risse und Infiltrationen sowie Wurzeleinwüchse gehören zu den häufigsten Schadensbildern. Dabei werden Undichtigkeiten und Risse in der Regel mit Kurzlinern saniert, während bei leichten Schäden im Anschlussbereich bevorzugt Hutprofile zum Einsatz kommen. Bei größeren Ausbrüchen setzt hanseWasser zunehmend auch auf Injektionsverfahren.

Vom strategischen Ansatz zur praktischen Umsetzung

Zum Auftakt des 15. Deutschen Reparaturtags zeigt Florian Frambach, wie Reparaturmaßnahmen auf Grundlage einer systematischen Zustandserfassung und schadensorientierten Bewertung dauerhaft in die Erhaltungsstrategie eines Netzbetreibers eingebunden werden können. Das Bremer Beispiel schafft damit den fachlichen Rahmen für das weitere Programm. Praxisberichte, technische Fachvorträge, Diskussionen und Vorführungen auf dem Außengelände zeigen, welche Verfahren sich unter konkreten Randbedingungen bewähren und worauf es bei Auswahl, Vorbereitung und Ausführung ankommt. So verbindet der Reparaturtag strategisches Netzmanagement mit konkreter Baustellenpraxis und liefert Fachleuten belastbare Ansätze für eigene Reparaturmaßnahmen.