02 März 2026
Strand wird Stadion
Strand wird Stadion
Präzisionsarbeit am Timmendorfer Strand
Timmendorfer Strand, 15 Kilometer nördlich von Lübeck gelegen, ist im Sommer nicht nur Badeort, sondern Hochleistungsbaustelle. Für die Deutschen Beachvolleyball-Meisterschaften und das anschließende Open-Air-Event „Stars am Strand“ entsteht hier Jahr für Jahr eine temporäre Arena direkt am Spülsaum der Ostsee – technisch anspruchsvoll, logistisch eng getaktet und mit klaren Vorgaben von Küsten- und Naturschutz. Von der STRABAG AG, Bereich Schleswig-Holstein Ost, in den Spülsaum gerammte Träger und Platten des E+S-Linearverbaus von terra infrastructure sorgten auch 2025 dafür, dass der für die Veranstaltungen eigens aufgeschüttete Sand vom Meerwasser nicht weggespült werden konnte.
Das Stadion hat eine Länge von rund 83 Metern und ist 39 Meter breit. Es verfügt über zwei Innenraum-Eingänge, acht Tribünenaufgänge und bietet Platz für mehrere Tausend Zuschauer bei Sport- und Musikveranstaltungen. „Das Event wird seit sieben Jahren in dieser Kombination umgesetzt“, sagt Martina Block, Eventmanagerin, Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH. „Die Detailplanungen beginnen in der Regel schon Monate im Voraus. Rund 180 Beteiligte sorgen dafür, dass vom Sandplanum bis zur Bühnenshow alles reibungslos funktioniert.“
Sand, Stahl und Statik
Die Sandarbeiten starteten am 18. August 2025. Insgesamt wurden 4.500 m³ Sand bewegt. Der Strand wird dabei nicht einfach aufgeschüttet, sondern präzise modelliert, wobei der Höhenunterschied vom Dünenfuß bis zum Spülsaum durchaus 2 bis 3 Meter betragen kann. „Vom Dünenfuß aus wird Sand seewärts zu einem Plateau geschoben, ergänzt durch zugefahrenes Material“, erklärt Dipl.-Ing. (FH) Björn Güttler, Oberbauleiter, Gruppe Ostholstein, Direktion Nord, STRABAG AG, Bereich Schleswig-Holstein Ost. „Grundlage sind digitale Aufmaße – denn nach dem Rückbau muss der Strand wieder exakt seinem ursprünglichen Profil entsprechen.“
Damit Wind, Welle und auflaufendes Ostseewasser den frisch eingebauten Sand nicht binnen Tagen wieder abtragen, kam ein temporärer Küstenschutz-Verbau zum Einsatz. Verwendet wurden hierfür Träger und Platten des E+S-Linearverbausystems von terra infrastructure. „Dabei handelt es sich um ein technisches Verbausystem das üblicherweise im Tief- und Ingenieurbau eingesetzt wird und zur Sicherung von Baugruben, insbesondere beim Verlegen von Leitungen, Kanälen oder bei Kanalbauwerken dient“, sagt Christian Grunert, Vertriebsaußendienstmitarbeiter terra infrastructure GmbH.
Vlies schützt vor Ausspülung
Bis 3 Wochen vor Veranstaltungsbeginn wurden Träger und Platten geliefert. Während ein Radlader die Elemente am Strand zur jeweiligen Einbaustelle fuhr, rammte ein Bagger die Träger ein. Diese Arbeiten sind laut Oberbauleiter Güttler von der Witterung abhängig und nur bei ablandigem Wind durchführbar, da sonst zu viel Meerwasser auf den Strand gedrückt wird. Insgesamt wurden 28 Träger eingebaut und die Verbauplatten dazwischen gestellt. Die Träger hatten eine Baulänge von rund 3,50 Metern und waren ca. 1,50 tief in den Untergrund eingebunden. Die Platten waren 2,32 Meter hoch und 3 Meter breit. Ein zusätzlich hinter dem Verbau angebrachtes Filtervlies verhinderte Ausspülungen, selbst wenn bei Starkwind Wasser über die Wand schlug. „Der Verbau, der als Konstruktion letztendlich die gleiche Funktion wie eine einfache Spundwand hat, diente in diesem Fall nicht der Lastabtragung des Stadions, sondern ausschließlich dem Schutz des angeschütteten Sandes vor den Wellen“, betont Güttler.
Aufbau unter Hochdruck
Direkt nach Abschluss der Sandarbeiten startete der Stadionaufbau. Insgesamt 280 Tonnen Material wurden hierfür mit sieben Lkw angeliefert. Dazu kamen die weitestgehend unsichtbaren, aber ebenso wichtigen Infrastrukturen. So etwa 7.000 Meter Stromleitungen, 800 Meter Netzwerkleitungen sowie 1.000 Meter Wasser- und Abwasserleitungen und ca. 40 Stromkästen. Nach Ende der Veranstaltungen wurde alles vollständig zurückgebaut, Verbauplatten und Vlies entfernt, die Träger gezogen sowie der Sand zurück Richtung Düne geschoben. Die ursprüngliche Neigung von Dünenfuß zu Wasser wurde dabei wiederhergestellt – alles in Abstimmung mit Gemeinde, Küsten- und Naturschutz.
Auf diese Weise bedeutete temporärer Eventbau maximale Wirkung bei minimalem Eingriff. Der temporäre Verbau, entwickelt aus praktischer Erfahrung im Küsten- und Infrastrukturbau, hat sich dabei als sichere und schnelle Lösung herausgestellt. Sein Einsatz bietet deutliche Vorteile gegenüber anderen Verfahren. „Er ist relativ zügig und problemlos einzubringen und in Kombination mit dem Vlies schafft das System die Voraussetzungen für die enormen Sandbewegungen und für die Sicherheit während der Veranstaltungen“, so das Fazit von Eventmanagerin Block und Oberbauleiter Güttler.



