Die Stimme des Verbandes ist gefragt

Rohrleitungsbauverband

Die Stimme des Verbandes ist gefragt

Mitgliederversammlung des Rohrleitungsbauverbandes in München

Mit dem Glasfaserausbau, dem Fachkräftemangel, der Verstetigung von Investitionen und der damit einhergehenden Schaffung von Planungssicherheit für Unternehmen sowie der notwendigen Sensibilisierung von Politik und Öffentlichkeit für technische Verfahren und Ausbaugeschwindigkeiten standen viele der entscheidenden Bullet Points des Leitungsbaus auf der Agenda der Mitgliederversammlung des Rohrleitungsbauverbandes e. V. (rbv). Dabei wurde klar, dass der rbv die gesamte Klaviatur einer starken Interessenvertretung des Leitungsbaus in aller erforderlichen Intensität und Lautstärke beherrscht, um heute und in Zukunft seiner Aufgabe nachzukommen, zu verbinden, zu vernetzen und zu versorgen.

„Wir sind angekommen“, so die klare Feststellung von rbv-Präsident Dipl.-Ing. (FH) Fritz Eckard Lang an die 150 Teilnehmer der rbv-Mitgliederversammlung, die am 5. April 2019 in München stattfand. „Unsere langjährige intensive techno-politische Lobbyarbeit hat endlich dazu geführt, dass die Expertise des Rohrleitungsbauverbandes bei Fragen der Energiepolitik, der Digitalisierung und des Breitbandausbaus die Aufmerksamkeit von Politik und Öffentlichkeit erlangt hat. Hat man uns auch früher schon wahrgenommen, so werden wir heute direkt angesprochen und gefragt, denn unsere Meinung zählt“, so Langs Resümee über die Einladung von rbv-Repräsentanten in wichtige Gremien des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie über die hohe mediale Präsenz des Verbandes in überregionalen Wochenzeitungen und Nachrichtenportalen.

Doch die aktuelle Konzentration auf digitale und energiepolitische Megatrends dürfe die Notwendigkeit eines nachhaltigen Netzmanagements sowie einer Verstetigung der Investitionen in vorhandene Ver- und Entsorgungsnetze nicht überlagern. Aber auch hier sei eine Zeitenwende angebrochen. Besonders den im Plenum anwesenden langjährigen ehemaligen rbv-Präsidenten und Ehrenpräsidenten des Verbandes Dipl.-Ing. Klaus Küsel werde es freuen, so Lang weiter, dass nun auch die Vorstandsetagen und obersten Geschäftsführungen der Versorgungsunternehmen erkannt hätten, dass man über Jahrzehnte mit viel zu geringen Erneuerungsraten und sehr flachen Investitionen einen falschen Weg gegangen sei. „So ändern sich die Zeiten“, stellte Lang fest. „Aber wir Leitungsbauer haben uns schon immer unserer Verantwortung gestellt und stehen auch jetzt bereit, unseren Beitrag zum Erhalt der Ver- und Entsorgungssicherheit in Deutschland zu leisten“, so das beherzte Versprechen des rbv-Präsidenten.

Synergien pflegen

Neben den Berichten der Geschäftsführung, des Technischen Lenkungskreises und des Ausschusses für Personalentwicklung des rbv zählten die Ehrungen und der Gastvortrag von Zukunftsforscher Prof. Dr. Maximilian Lude zu den inhaltlichen Schwerpunkten der Mitgliederversammlung, die auch in diesem Jahr den klaren Tenor vertrat, dass Gleichgesinnte an einem Strang ziehen sollten. Eine zentrale strategische Vision des Rohrleitungsbauverbandes sei es an dieser Stelle, die kleinteilige Verbändelandschaft des deutschen Leitungsbaus zu einen und so einer starken Interessenvertretung der Branche den Weg zu ebnen. „Das Zusammenwachsen aller befreundeten Verbände ist essenziell, um gemeinsam die anstehenden Aufgaben zu bewältigen“, betonte Hauptgeschäftsführer Dipl.-Wirtsch.-Ing. Dieter Hesselmann im Bericht der Geschäftsführung. Mit der German Society for Trenchless Technology e.V. und der Gütegemeinschaft Leitungstiefbau habe man wirksame Kooperationen vereinbart, die bereits jetzt Nutzen stifteten und auch zukünftig noch großen Mehrwert schaffen würden. All dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund der gestiegenen Anforderungen im Kontext der Digitalisierung und eines zusammenwachsenden Europas. Doch Kooperationen seien nicht nur auf dieser Ebene wichtig und wünschenswert. Auch Versorgungs- und Leitungsbauunternehmen müssten immer wieder miteinander ins Gespräch kommen, da beide oftmals von denselben Sorgen getrieben seien. „Genau dafür haben wir das Instrument der Runden Tische ins Leben gerufen, wo Auftragnehmer und Auftraggeber vom Tagesgeschäft losgelöst die übergreifenden Probleme des Leitungsbaus diskutieren und manche auch gemeinsam lösen können“, so Hesselmanns überzeugtes Bekenntnis zu dieser effektiven Plattform des Meinungs- und Informationsaustausches.

Qualität im Blick

Um aber Qualität nachhaltig zu sichern, müsse sich die gesamte Branche – Auftragnehmer wie Auftraggeber – eindringlich dem Problem des Fachkräftemangels widmen, damit dauerhaft qualifiziertes Personal zur Verfügung stände, um den notwendigen Bauaufgaben beim Erhalt und Ausbau der Netze nachzukommen. Dabei sei es gerade angesichts der neuen Herausforderungen beim Glasfaserausbau wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass auf der Suche nach der schnellsten Lösung und der flachsten Verlegung der Qualitätsgedanke nicht sorglos über Bord geworfen werden dürfe. „Ein Ausbau des Glasfasernetzes auf qualitativ höchstem Niveau ist auch für unsere Mitgliedsunternehmen und für den gesamten Verband ein neues Thema. Es ist hoch anspruchsvoll, in den nächsten Jahren ein ganz Deutschland umfassendes, komplett neues Netz zu bauen. Und ein neues Netz braucht neues Wissen. Auch hier sehen wir uns als Verband in der Pflicht, nicht nur die Interessen unserer Mitgliedsunternehmen in der überhitzten Diskussion eines übertrieben schnellen Netzausbau zu vertreten, sondern auch Wissen zu vermitteln in Richtung der Verlegung von Mikrorohren sowie der Verbindung von Lichtwellenleitern“, so Hesselmann.

Am Rande der Kapazitätsgrenzen

Ein klares Bekenntnis zur Qualität im Leitungsbau formulierte auch Dipl.-Ing. (FH) Dirk Schütte, Vorsitzender des Technischen Lenkungskreises, in seinem Bericht über die Arbeit der technischen Gremien des rbv. Obwohl man die Marktsituation grundsätzlich als sehr positiv beurteile, avanciere die personelle Situation in den Unternehmen zunehmend zum Problem. „Es kann nur eine begrenzte Menge an Projekten in einer gewünschten Qualität von den zur Verfügung stehenden Fachunternehmen abgewickelt werden“, so Schütte über das Missverhältnis zwischen einem anwachsenden Auftragsüberhang und dem bei bauausführenden Unternehmen vorherrschenden Fachkräftemangel. „Wir kommen allzu oft an unsere Kapazitätsgrenze und auch darüber hinaus“, brachte Schütte ein Problem der gesamten Branche auf den Punkt. Damit aber alle rbv-Mitglieder nach den anerkannten Regeln der Technik in technisch herausragender Qualität ihre Arbeit auf den Baustellen verrichten könnten, hätten die technischen Gremien des rbv im vergangenen Jahr intensive Arbeit geleistet und in den Sparten Wasser, Gas, Fernwärme, Abwasser, Breitband und erdverlegte Kabel für die Stromversorgung rund 20 Regelwerks- und Normprojekte begleitet, d. h. Diskussionen und Verhandlungen geführt und Einsprüche vorbereitet. „Regelwerksarbeit geht alle Leitungsbauer etwas an! Und wenn im Baualltag Probleme auftreten, die von allgemeinem Interesse sind, sprechen Sie uns an, sprechen Sie mich an. Auf diese Weise profitieren wir alle von dem großen Netzwerk des rbv“, so die eindringliche Bitte Schüttes an die anwesenden Vertreter der Mitgliedsunternehmen.

Der Mensch im Mittelpunkt

„Wir haben eine Lösung für alle Personalprobleme im Leitungsbau gefunden“, begann der Vorsitzende Dipl.-Ing. Armin Jordan schmunzelnd seinen Bericht über die Arbeit des Ausschusses für Personalentwicklung. Diese Lösung habe nichts mit Automatisierung oder Digitalisierung zu tun, wie derzeit so Vieles in der Branche. „Unsere Lösung ist ein bisschen profaner, unsere Lösung ist der Mensch“, so Jordan in der Folge. Gemeinsam im Gremienverbund mit DVGW, AGFW und VDE und in enger Abstimmung mit den Verantwortlichen beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) sei es dem rbv gelungen, ein Netzwerk zu generieren, in dem man sich über alle Fragen der Personalentwicklung austausche, gemeinsam Lösungsansätze diskutiere und dabei auch häufig über den Tellerrand der Branche hinausblicke. Doch stehen dem Markt tatsächlich zu wenig Fachkräfte zur Verfügung? Um hierüber Aufschluss zu erlangen, wurde vom rbv eine „Arbeitsmarktanalyse im Rohrleitungs- und Brunnenbau 2018“ in Auftrag gegeben. Laut den Ergebnissen der Studie habe sich die Situation am Arbeitsmarkt weiter verschärft und dem Markt ständen derzeit kaum aktivierbare Potenziale zur Verfügung.

Um der Leitungsbaubranche zusätzliches Know-how beim Glasfaserausbau zur Verfügung zu stellen, habe der rbv, so Jordan weiter, gemeinsam mit Netze BW das Pilotprojekt „Infrastrukturkraft für Glasfasertechnik Bau“ ins Leben gerufen. Mit der „Anwendungsfachkraft Leitungsbau Gas/Wasser“ werde Mitarbeitern ohne abgeschlossene Berufsausbildung eine Weiterqualifizierung angeboten, damit diese in der Praxis zielgerichtet eingesetzt werden können. „Es kommen große Aufgaben auf uns zu, wir haben Möglichkeiten für Sie entwickelt, damit Sie sich auch entsprechend schulen können“, so Jordan zum Abschluss seines Vortrags.

Angst oder Vorfreude auf eine (un)bestimmte Zukunft?

Um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen, insbesondere von Familienunternehmen, ging es in der Keynote von Prof. Dr. Maximilian Lude, Geschäftsführer der Philoneos GmbH, zum Thema „Angst oder Vorfreude auf eine (un)bestimmte Zukunft? Eine Zeitreise ins Gestern und Morgen und was wir von Heute lernen können“. In seinem Vortrag ging Dr. Lude den Fragestellungen nach, wie Unternehmen langfristig innovativ sein oder werden können und wie es ihnen gelingen wird, im Gesamtkontext eines beschleunigten gesellschaftlichen Wandels zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Hierzu formulierte Dr. Lude im Wesentlichen vier Hauptthesen. Zunächst gelte es, das sogenannte „Iridium-Thinking“ zu vermeiden. Dies bedeutet, dass es in einer so schnelllebigen Welt wie der unseren nicht mehr möglich sei, eine unternehmerische Zukunft auf Basis vergangenheitsbezogener Daten zu planen, wie es Ende der 1980er Jahre die Motorola-Tochterfirma Iridium bei der globalen Mobiltelefonie versucht habe und dabei wirtschaftlich gescheitert sei. Wichtig für eine strategische Unternehmensplanung sei es heute, wie man grundsätzlich mit Themen wie Digitalisierung, Robotics und Künstlicher Intelligenz umgehe. „Selbst traditionelle Industrien und Branchen können sich digitalisieren“, so die zweite These von Dr. Lude mit dem Hinweis auf digitale Klingelbeutel und „Arztbesuche“ via Smartphone. Dabei sei es entscheidend, dass unternehmerisches Handeln immer durch ein maximal mögliches Maß an Flexibilität geprägt sei. „Sie müssen sich an Ihre Umwelt anpassen und immer wieder Neues tun“, so Dr. Ludes dritte These. Dabei liege aber ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg – und hier wies er in seiner vierten These auf die wesentlichen Kernkompetenzen von Familienunternehmen hin – traditionelles und neues Denken innovationsorientiert miteinander zu verknüpfen. „Bleiben Sie Unternehmer“, so Dr. Ludes Aufforderung an das Plenum.

Mit einem Augenzwinkern verabschiedete rbv-Präsident Lang die anwesenden Teilnehmer und wies darauf hin, dass der Leitungsbau noch nie so wertvoll wie heute gewesen sei. „Planen Sie Ihre Kapazitäten mit Augenmaß! Führen Sie mit ruhiger Hand. Wir lassen uns nicht treiben, von Niemandem, auch nicht von der Politik“, so Lang in seinem Schlusswort.

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